Julian in Peru

Dokumentation meiner Reise

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Archiv für Oktober 2007

Babyshower

Verfasst von julian515 am Oktober 31, 2007

Die so genannte „Babyshower“ findet etwa einen Monat vor der Geburt des Kindes statt. Meine Schwester Laly bringt in etwa einem Monat ihr Kind auf die Welt und so wurde dieser Brauch letzten Sonntag auch in unserem Haus gefeiert.  Dazu wurden alle Freunde eingeladen. Waehrend der ersten zwei Stunden sassen die Gaeste nur herum und warteten darauf, dass das Program los geht, waehrend eine Nachbarin herum ging und Chips und Getraenke anbot.

Zuerst erhielten die angehenden Eltern das Wort. Dann folgten die beiden Grosselternteile. Als alles gesagt worden war, wurden die Geschenke eingesammelt. Nun animierte ein engagierter Clown die Gaeste fuer etwa 1 Stunden mit Spielen, Witzen und Zaubertricks. Nach dem Program packte Laly nun die Geschenke aus und den Gaesten wurde das Essen serviert. Dann wurde die Tanzflaeche eroeffnet. Der erste Tanz gehoerte den angehenden Eltern. Dann konnte tanzen, wer wollte. Nach und nach sind die gaeste dann wieder gegangen, bewaffnet mit einer Tuete mit Suessigkeiten und einem extra bedruckten Luftballon. Und fuer uns ging es ans aufraeumen…

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15. Geburtstag – Vom Maedchen zur Frau

Verfasst von julian515 am Oktober 16, 2007

Der 15. Geburtstag der Maedchen in Peru ist etwas ganz besonders, da sie damit ihren Eintritt in ihr Leben als Frau begeht. Dieses Fest, dass in eleganter Kleidung gefeiert wird, hat in Peru den selben Status wie eine Hochzeit.

Ich hatte das Glueck an einer dieser Feiern teilnehmen zu koennen. Mit dem Bus ging es zunaechst 4 Stunden gen Sueden nach Huacho.  Dort machten wir uns im Haus der Verwandtschaft fein. Um 11 Uhr nachts kamen wir dann endlich im Hotel, in dem das Ganze stattgefunden hat, an. Nach einer Stunde Warten wurde um 12 Uhr endlich das Geburtstagskind mit mexikanischer Band hereingefuehrt und an die Seite des Vaters platziert. Die Cousinen und Cousins standen dabei Spalier, die Maedchen mit einer Kerze und die Jungen mit einer Rose in der Hand, die das Geburtstagskind eine nach dem anderen eingesammelte. Daraufhin tanzte der Vater den ersten Tanz des Abends mit seiner Tochter. Daraufhin hielten die Eltern und die Paten des Geburtstagskindes kleine Ansprachen. Nun waren alle Jungen unter 18 Jahren an der Reihe. Jeder musste eine Faden von einer an der Decke haengenden, hutaehnlichen Konstruktion, in die Hand nehmen und auf Komando ziehen. Dadurch oeffnete sich der Hut und es fielen Konfetti und Luftschlangen herunter. An einem Faden hing eine Rose. Der Junge mit der Rose durfte als erster mit dem Geburtstagskind tanzen.  Nach und nach tanzten nun alle maennlichen Personen der Familie mit ihr. Zum Ende des offizielen Programms wurde noch auf das Geburtstagskind angestossen.
Danach wurde gegessen und zu der Musik einer Salzagruppe die ganze Nacht getrunken, getanzt und gefeiert. Um 6 Uhr sind wir dann wieder in das Haus der Verwandtschaft gefahren. Dort wurde bis 9 Uhr weitergetanzt, bis sich dann einer nach dem anderen Richtung Bett verabschiedet hat.

Dieses Fest ist zu Beginn sehr traditionell bis kitschig. Doch haben die Peruaner ein weiteres Mal bewiesen, dass sie wissen wie man richtig feiert. Und ist es nicht bemerkenswert, dass in einem Raum mit 150 Personen alle den selben nachnamen tragen!?

   

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Verruecktes Peru – Nr.1

Verfasst von julian515 am Oktober 5, 2007

Unter der Kategorie „Verruecktes Peru“ werden alle Dinge Platz finden, die mir auf meinem Weg durch Peru besonders nennenswert erscheinen.  

FlyerDieser Flyer, der auf der Strasse lag, besagt: „Haltet eure Stadt sauber!“

KabelAuf diesem Bild sieht man ein Stromkabel, von dem ein Ende auf die Strasse herunterhaengt. Aber das stoert hier niemanden!

SchiffBootstuetzeDie Schiffe bei SIMA werden ganz einfach mit Steinen und Gasflaschen gehalten.  Ansonsten gibt es keine Sicherung. Wenn eins umkippt, kippen alle…

SchnapsWein und Schnapps gibt es hier aus praktischen Plastiktonen…

FeuerwerkDie Peruaner bauen riesige Gestelle mit Feuerwerken, die dann nach und nach, wie beim Domino- Day, abbrennen. Absolut sehenwert!
Vaca LocaDazu gehoert natuerlich die „Vaca loca“ (Verrueckte Kuh). Diese mit Feuerwerkskoerpern bestueckte Papierkuh schnallt sich ein Peruaner auf den Ruecken und rennt dann durch die Menschenmenge!

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Erstes Lebenszeichen

Verfasst von julian515 am Oktober 3, 2007

Mein erstes Lebenszeichen aus Peru kommt zwar sehr spaet, aber es kommt! Mir geht es hier soweit ganz gut und ich habe mich, in den 6 Wochen, die ich jetzt hier bin, schon gut eingelebt – und jede Menge erlebt.

Allein meine Reise NACH Peru war schon sehr aufregend. In Frankfurt hab ich meinen ersten Flug verpasst, da vor Bad Homburg Stau war und wir wohl zu hause viel zu spaet los gefahren sind. Ich konnte aber einen Flug spaeter nehmen, sodass das kein Problem war. In den USA (ich bin ueber Atlanta geflogen) haben sie mich bei der Passkontrolle rausgezogen und in einem Verhoerzimmer noch mal befragt. Alle beruehmten Fragen, die man so kennt: Fuehren sie Drogen oder Waffen mit sich; haben sie vor einen terroristischen Anschlag zu verueben usw. Danach bin ich noch mal, unabhaengig davon, gruendlich durchsucht worden, sodass ich meinen 2. Flug nach Lima nur in letzter Sekunde erreicht habe. In Lima wurde ich von meiner Austauschorganisation AFS 2 Tage in einem katholischen Kloster untergebracht. Dann ging es mit dem Bus weiter nach Chimbote, dass etwa 400 Kilometer noerdlich von Lima an der Kueste liegt.

In den ersten 3 Wochen habe ich mit den anderen Leuten von AFS einen Sprachkurs von 3 Wochen gemacht. Ausserdem hatten wir genuegent Zeit um uns ein bisschen einzuleben und die Stadt zu erkunden.
Nach den drei Wochen wurde mir dann das Projekt in dem ich jetzt arbeite vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine kirchliche Einrichtung, die mit Geldern aus den USA finanziert wird. Die Einrichtung besteht aus mehreren Projekten. So gibt es Kindergaerten, Schulen, ein Hospiz, ein kleines Krankenhaus, eine Drogenenzugsanstalt, Essensausgaben und Sozialarbeiter. Diese Projekte verteilen sich auf verschiedene Orte im Stadtviertel Viktoria. Viktoria ist eines der aermsten Viertel in Chimbote. Die Strassen sind aus Lehm und viele Haueser bestehen einfach nur aus Strohmatten. In den Haeusern befinden sich oftmals nicht mehr als Betten und einem kleinen Herd. Die Menschen haben oft nicht mal Geld, um sich Schuhe zu kaufen. Viele Jugendliche sind Drogeabhaengig und ausserdem in irgendwelchen Banden aktiv, die sich fast taeglich gegenseitig Messerstechereien liefern. Gerade in der Woche, in dr ich angefangen habe zu arbeiten, ist ein Jugendlicher einer Bande, die einen Lastwagen ueberfallen hat, von der Polizei erschossen worden.
 
Ich helfe in dem kleinen Krankenhaus einer Krankenschwester bei ihrer Arbeit. Ich mache zum Beispiel Wundverbaende oder Baumwolltupfer, die ich dann in einer Art Ofen sterilisiere. Oder ich schreibe die Daten der Patienten auf. Gestern habe ich zum ersten mal gespritzt ud mittlerweile bestimmt schon 15 Injektionen hinter mir. Aber die Krankenschwester hat mir versprochen, dass ich auch noch lernen werde Wunden zu naehen.
Die Arbeitszeiten sind ein Traum. Ich arbeite von halb neun bis halb zwoelf. Nachmittags ist die Arbeit freiwillig. Ab und zu spielen wir mit den Jungs aus der Drogenentzugsanstalt Fussball. Die Jungs haben es hier uebrigens richtig drauf, da sie, denke ich, den ganzen Tag nichts anderes machen, als Fussballspielen. Man wird auch, wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt, erstmal nach Guerrero nd Pizarro gefragt, – direkt gefolgt von Hitler.

Meine Nachmittage verbringe ich damit, Spanisch zu lernen, Musik zu machen, Fussball zu spielen oder durch die Innenstadt zu laufen. In ganz Chimbote (400.000 Einwohner) gibt es genau 2 Supermaerkte. Ansonsten findet man an jeder Ecke mindestens zwei kleine Laeden in denen man seein taegliches Essen kaufen kann. Ausserdem finden sich riesige Maerkte, auf denen man von Klodeckeln ueber Ziegenkoepfe bis hin zu Kokablaettern alles kaufen kann. Aber Vorsicht mit dem Wechselgeld, denn ein nicht geringer Teil, des Geldes, ist Falschgeld!

Chimbote ist eine sehr industrielle Stadt. Hier befindet sich ein grosser Anteil der Fischerei von Peru. Dass heisst, es gibt einen grossen Hafen, jede Menge Fischfabriken, Bootsfabriken… Bis Ende Oktober ist noch Fischfangverbot. Aber dann soll es hier richtig anfangen nach Fisch zu stinken. Im Norden von Chimbote gibt es eine grosse Stahlfabrik „Siderperu“, bei der viele Menschen, unter anderem mein Gastvater, arbeiten. Tourismus gibt es hier gar nicht.
Chimbote selbst ist daher sehr dreckig und die Kriminalitaet ist sehr hoch. Desswegen haben sich einige in den 60gern daz entschlossen, ein zweites Chimbote „Nuevo Chimbote“ zu bauen, dass sich etwa 5 Kilometer weiter im Sueden befindet. Dort wohnen die Menschen, die etwas mehr Geld haben. Hier ist es auch sauberer und sicherer. Trotzdem sollte man spaetestens um 11 Uhr abends von der Strasse runter sein.

Von Peru ausserhalb von Chimbote habe ich noch nicht so viel gesehen, da AFS empfiehlt erst zu Reisen, wenn man die Sprache gut kann und sich mit der Kultur gut auskennt.

Mein Kulturschock hielt sich in Grenzen, obwohl das Leben hier schon sehr anders ist. Zum Beispiel ist es hier viel lauter und lebendiger als in Europa. Man hoert bis tief in die Nacht immer Musik oder Autos, die hupen. Die Menschen sind viel unzuverlaessiger. Wenn man hier eine Urzeit ausmacht, kommt der normaler Peruaner, ohne Uebertreibung (!) gerne mal 1 bis 2 Stunden spaeter.
Ein Sache, die auch fuer mich schwer ist zu akzeptieren, ist, dass du solange deine Eltern um Erlaubnis fragen musst, wie du unter ihrem Dach lebst…

Fuer heute wars das erst mal. Mal sehen, wann mich das naechste Mal die Lust ueberkommt so viel zu schreiben…

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