Julian in Peru

Dokumentation meiner Reise

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Archiv für November 2007

2. Bericht – Willkommen im Alltag

Verfasst von julian515 am November 7, 2007

Nun befinde ich mich fast 2 Monate und 2 Wochen in Peru. Ich habe mir fuer diesen Nachmittag extra nichts vorgenommen, um endlich mal einen zweiten Bericht zu schreiben. Das erst Neue hat sich jetzt so langsam in Alltag verwandelt. Allerdings hatte ich viele Moeglichkeiten, zu reisen.

Mir geht es weiterhin gut in Peru. In meiner Familie habe ich so langsam meinen Platz gefunden. Und bis auf einige kleine Reibereien verstehen wir uns sehr gut. Mein Spansich nimmt so langsam Form an, sodass ich mich an Unterhaltungen auch mal normal beteiligen kann, was das familiaere Leben viel einfacher und auch interessanter macht.

In „La Victoria“ arbeite ich morgens unveraendert jeden Tag in dem kleinen Krankenhaus. Meine Arbeit besteht dort nach wie vor daraus, Wundverbande herzustellen, zu Spritzen und dem Doktor bei kleinen Operationen zu helfen. Ich habe mich mittlerweile an blutende Wunden und Spritzen gewoehnt, etwas, woran ich selbst erst eigentlich nicht geglaubt habe. Ich bin nun auch hin und wieder in der Apotheke und helfe Medikamente einzukaufen, einzuraeumen und dann wieder zu suchen. Nachmittags treffe ich mich entweder mit den Jungen aus der Drogenentzugsanstalt, um zu Reden oder Fussball zu spielen oder ich Besuche Menschen, die in „La Victoria“ leben, um mich mit ihnen zu unterhalten. In der Parroquia, kommen jede Woche neue Amerikaner an, die sich das Viertel anschauen wollen. Dies hat den Nachteil, dass es nicht mehr so schoen ruhig ist, aber den Vorteil, dass es immer frisches Obst im Speisesaal gibt.

Meine erste wirkliche Wochenendreise fuehrte mich nach Moro. Das Stadtfest, das einmal im Jahr stattfindet, nahmen wir zum Anlass, um Florians peruanischen Onkel, Omar, zu besuchen. Eine zweistuendige Busfahrt ueber buckellige Sandpisten fuehrte uns in das kleine Staedtchen, dass sued-oestlich von Chimbote liegt. Es befindet sich etwas hoeher in den ersten Auslaeufen der Anden. Hier wachsen Pflanzen, ohne, dass man taeglich giessen muss. Omar nahm uns nicht nur in sein Haus auf, sondern war auch das ganz Wochenende unser Fuehrer. Zuerst fuehrte er uns durchs Dorf. In einem kleinen Laden habe ich mir Yankis gekauft, Sandalen aus Autoreifen. Dann gab es Mittagessen, aber ohne Ueberraschung: auch in Moro essen sie Reis mit Huehnchen. Den Nachmittag verbrachten wir in Omars Garten unter Bananen-, Abogado- und Mangobaeumen. Gegen Abend bestiegen wir eine Art Kreuzberg neben Moro, was uns einen wunderschoenen Blick ueber die weite Landschaft verschafte. Nach dem Abendessen sind wir dann mit der ganzen Familie in die Stadt gefahren, um das Program und das Feuerwerk zu sehen. Danach habe ich zum ersten Mal einen Hahnenkampf gesehen. Dazu haben die Einwohner extra eine Hahnenkampfarena gebaut. Darum sammeln sich alle Peruaner und kommentieren wild schreiend das Geschehen. Zunaechst bringen die zwei Besitzer ihre Haehne in den Ring und presentieren sie dem Publikum. Daraufhin werden die ersten Wetten abgeschlossen, waehrend die beiden Besitzer noch die kleinen Messer am linken Fuss des Hahnes anbringen. Dann geht es los. In Minuten haben sich dann die Haehne so zerfetzt, dass danach beide mistens gleich gegessen werden. Der Hahn gewinnt, der als letztes umfaellt. Dies hoert sich grausam an, ist aber fuer die Peruaner ein wichtiger Teil ihrer Kultur und fuer manche geht es auch um richitg viel Geld. So konnte man bei diesem Wettbewerb bis zu 5000 Dollar gewinnen. Nach dem letzten Kampf wurde bis in den Morgen hinein getanzt. Den naechsten Tag haben wir nochmal im Garten verbracht. Abends ging es dann wieder mit dem Bus nach Hause.

Meine zweite Reise fuehrte mich nach Troujillo, eine Stadt, die etwa 140 Kilometer noerdlich von Chimbote liegt. Diesmal war der Anlass der Geburtstag von Christian’s Schwester Mili und ein national bekannter Umzug, der am Sonntag statt fand. Die erste Herausforderung bestand darin, ein Hotel zu finden. Dies war nicht ganz einfach, denn wegen des Umzugs, war so gut wie alles besetzt. Zu guter letzt haben wir eine kleine Absteige gefunden - fuer 2.50€ die Nacht. Allerdings mussten wir uns zu viert 2 Betten teilen. Am Nachmittag haben wir alte Inkaruinen besucht. Der teilweise Restaurierte Teil ist relativ klein. Allerdings liess eine Wueste voller kleiner Steinruinen auf die einstige Groesse dieser Inkastadt schliessen. Danach fuhren wir in ein kleines Dorf noerdlich von Trujillo, dass besonders fuer seine Straende bekannt ist. Und in der Tat verbrachten wir einen sehr schoenen Nachmittag in einem vegetarischen Restaurant mit Meerblick damit, die Karte durch zu probieren. Abends sind wir mit der Familie des Geburtstagskindes Essen gegangen und danach in eine Disko. Um 5 Uhr nachts bin ich erschoepft in mein Bett gefallen. Am naechsten Tag haben wir uns noch den Umzug angeschaut, der sich ueber 3-4 Stunden hinweg zog. Es presentierten sich neben regionalen Vereinen, viele Regionen aus ganz Peru. Aber auch einige Laender aus der ganzen Welt waren verdrehten. Um 7 Uhr fuhren wir dann in einem vollen Bus wieder nach Chimbote.

Meine dritte Reise fuehrte mich nach Lima, wiederum mit Christian und seinem Bruder Roberth. Wir besuchten Chritians zweiten Bruder, Chiovani, der dort lebt. Ausserdem musste Roberth einiges fuer den kleinen Blumen- und Geschenkeladen der Familie einkaufen. Freitag nachts um 10.30 Uhr sind wir in den Bus gestiegen und nach einer mehr oder weniger gut durchschlafenen nacht morgens um 6 Uhr in Lima angekommen. Zuert haben wir unsere Sachen in die Wohnung von Chovani gebracht und ruhten uns noch etwas aus. Nach dem Fruehstueck in einem grossen Einkaufshaus fuhren wir in ein kommerzielles Zentrum, in dem am Tag zuvor ein grosses Kaufhaus augebrannt war und mehrere Leute ums Leben gekommen waren. Dort stand alles unter Wasser und die Laeden, die Roberth besuchen wollte, waren geschlossen. Zwei Blocks weiter fuehrte uns Roberth in eine kleine Fabrik, in der Geschenkverpackungen und Tueten von Hand und mit Maschinen aus dem vorletzten Jahrhundert hergestellt werden. Danach haben wir Chinatown in Lima einen kurzen Besuch abegestattet. Dann gab es Buffet mit allen moeglichen peruanischen Speisen mitten auf der Strasse in Lima. Als es dunkel wurde sind wir ins Zentrum gefahren, um uns den Stadtkern anzuschauen. Limas Kern wird dominiert von spanischen Kolonialbauten. Auf dem Hauptplatz, der von einer Kathedrale und dem einstigen Wohnsitz des Konquistators Pizarro, finden sich Palmen und ein Brunnen.  Zu Fuss gingen wir dann durch einen Hochhauswald bis zur Steilkueste am Meer. Mit dem Taxi ging es dann wieder in die Wohnung.
Am naechsten Tag ging es zunaechst in ein Viertel, dass NUR aus Kleiderlaeden bestand. Die Strassen waren voll von Menschen und ueberall haben die Verkaeufer versucht mich in ihre Laeden hineinzulocken. Nachmittags haben wir uns das Viertel San Miguel angeschaut. Abends bin ich mit Christian noch in das sehr schoene Viertel Barranco gefahren. Dort gibt es eine sehr schoene abfallende Gartenpassage, die bis zum Meer fuehrt. Ausserdem fand auf dem Marktplatz ein Piscofestival statt und wir kamen bei der Piscoprobe voll auf unsere Kosten. Um 11.00 Uhr abends sind wir dann wieder in den Bus nach Chimbote gestiegen.
Lima ist auf jeden Fall eine Beeindruckende Stadt, allein schon durch seine Groesse. Jedoch hatte ich mit Christian die Diskussion, ob man Lima in der heutigen Zeit nicht mehr als Perle bezeichnen kann, wie es ein Reisefuehrer geschrieben hatte. Die Innenstadt, der alte kern und verschiedene Viertel sind auf jeden Fall wunderschoen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Lima umgeben voll ist von Armenvierteln, in denen der Kampf ums Ueberleben Alltag ist. 

Ein weiteres Highlight war diesen Monat die Ankunft 25 amerikanischer Aerzte, die 5 Tage lang in meinem kleinen Krankenhaus gearbeitet und etwa 3000 Patienten behandelt haben. Ich und meine deutschen Mitstreiter wurden dazu als Dolmetscher eingesetzt, weil die meisten der Aerzte kein Spansich konnten.
Ich muss diese Aktion als Fehlschlag berwerten. Dies hat mehrere Gruende. Zum ersten sind zwar 25 Aerzte gekommen, ber sie haben im Endeffekt auch nichts behandelt, was die regionalen Aerzte nicht behandeln koennten. Sie haben zum Beispiel an die Haelfte der Patienten einfach nur Schmerzmittel verteilt, die fuer etwa 3 Tage reichten, ohne ich um irgendwelche eventuellen Ursachen der Leiden zu kuemmern. Zum anderen haben sie durch ihr arrogantes und manchmal rassistisches Auftreten eine Stimmung von Minderwertigkeit im peruanischen Krankenhausteam verbreitet. So war ich dann auch froh, dass sie bald wieder abgereist sind.

Ein anderes Highlight war ein Tag am Strand mit allen Jugendlichen von AFS. Sonntag morgens sind wir mit einem Kleinbus an den Strandgefahren. Dort haben wir erstmal Volleyball gespielt und waren dann im Meer baden (zumindestens einige wenige, weil das Wasser war immer noch recht kalt). Danach ging es zur eigentlichen Attraktion des Tages: Sandboarding. Dies sieht aus wie Snowboarden, nur dass man eine Sndduene hinunter faehrt. Wie im Schnee landet man auch im Sand immer weich. Allerdings hatten wir spaeter unsere saemtlichen Koerperoeffnungen voll mit Sand. Danach haben wir in einem Fischrestaurant am Strand zu Abend gegessen. Wonach es dann wieder in Richtung Heimat ging.

Soweit bis hierhin. Jetzt geht es wie in Deutschland auch stark auf Weihnachten zu. Nur das wir hier so langsam den Sommer erreichen. Also Strand, Strand, Strand…!

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Der Verkehr – Jedesmal ein Abenteuer

Verfasst von julian515 am November 6, 2007

Heute nehme ich euch mit auf eine wilde Taxifahrt ins Zentrum von Chimbote. Aus der Haustuer raus und 25 Meter nach rechts und schon stehen wir an einer der grossen Strassen. Du kannst fuer deine Fahrt aus nicht weniger, als 4 verschiedenen Taxiarten waehlen.

  • Da haben wir einmal das Ticotaxi, dass in etwa die groesse einer Streichholzschachtel hat. Dies ist ein ganz normales Taxi: einfach winken und sagen, wo man hin will und schon gehts los. Dies ist das schnellste Fortbewegungsmittel, aber auch das teuerste.
  • Dann gibt es da noch den Combi. Diese Kleinbusse wurden von ihrer Kapazitaet etwas aufgemotzt. So passen nun in einen T5-grossen Bus bequem 19 Leute (Mein Rekord liegt wohl gemerkt bei 30 Leuten in einem Combi!). Die Combis sind mit 2 Leuten bestueckt: ein Fahrer und ein Kassierschreier, der die Aufgabe hat das Fahrgeld einzusammeln, die Schiebetuer auf und zu zu machen und permanent aus dem Fenster zu schreien, wo dieser Kombi nun hinfaehrt. Den Combis wird nachgesagt, dass sie nicht die schnellste Methode sind, um vorwaehrts zu kommen. Nicht ohne Grund, denn hin und wieder halten die Fahrer auch bei jeder Person an, die am Strassenrand steht und ueberredet sie einzusteigen.
  • Dieses kleine Gefaehrt mit drei Raedern, das sich anhoert, wie ein Motorrad, ist ein Mototaxi. Das Ganze ist im Prinzip eine Ritsch mit Motorrad. Dieses Gefaehrt eignet sich besonders fuer kurze Strecken, weil es das billigste von allen ist, aber auch das langsamste. Ausserdem fahren die taxisten auch gern mal eine Weile im Gegenverkehr, um ein bisschen Weg zu sparen (dass macht die Fahrt allerdings sehr unterhaltsam!).
  • Was dahinten so schnell, wild huppend ankommt ist ein sogenanntes Collectivo. Diese Autos sehen aus wie ganz normale Taxis, fahren aber nur eine betimmte Strecke, wie ein Linienbus. Welche Strecke sie fahren, steht auf einem Leuchtschild (manchmal funktioniert die Lampe sogar!), das auf dem Dach montiert ist. Einfach winken und einsteigen.

Wir entscheiden uns fuer ein Collectivo und stehen hier nun an der Strasse und werden permanent, von allen vorbeifahrenden Autos angehupt (ALLE!). Das die Taxifahrer hupen, kann 3 Gruende haben. Erstens, um zu zeigen, dass noch ein Platz im Auto frei ist. zweitens, weil sie ein huebsches Maedchen am Strassenrand entdeckt haben. Oder drittens: ohne Grund. Da kommt auch schon unser Auto mit der Nummer A1 angebraust. Wir heben locker den Arm und schon haelt es mit Vollbremsung neben uns an. Oh, es sind noch genau 2 Plaetze frei, wie schoen. Also einsteigen und los gehts.

Aber an der naechsten Ecke haelt der Fahrer noch einmal. Hm… das Collectivo ist doch schon voll??? Von wegen: hier haben die Autos 6 Plaetze. Der Beifahrer rueckt einfach noch ein bisschen nach links und haengt mit einem Bein auf dem Schaltknueppel und schon passt noch einer mehr rein.

Jetzt sind wir also komplett und der Fahrer kann sich voll und ganz auf die Fahrt konzentrieren und muss nicht immer an den Strassenrand gucken und…. ups… na, die rote Ampel hat er jetzt wohl uebersehen. Aber das macht doch nichts, das Auto, das von rechts kam ist ja stehen geblieben. So jezt sind wir endlich auf dem Pazifico angekommen, der Hauptverbindungsstrasse ins Zentrum.

So ein Pech, dass vor uns dieser Total mit ungesicherten Steinen ueberladene LKW faehrt und die ganze Zeit Gegenverkehr kommt. Aber der Fahrer probiert es doch (schliesslich fahren hier alle Autos von Gott geseteurt, zumindestens sagt dass der Sticker vorne am Amaturenbrett) und… uff das war knapp… noch mal grad so wieder hinter den LKW gekommen. Na dann ueberholt er halt rechts… Langsam werden wir so ins Zentrum getragen (wie schnell genau, ist nicht zu sagen, denn der Tacho funktioniert genauso wenig, wie die Benzinanzeige und der Drehzahlmesser), vorbei an Mexikokaefern, Eselskarren und dicken Gelaendewagen.

Unsere Fahrt neigt sich dem Ende zu. Wir tippen den Fahrer von hinten auf die Schulter, woraufhin er die Hand hinhaelt und wir unser Geld hineinlegen koennen. Bei voller Geschwindigkeit, sucht er uns unser Wechselgeld und gibt es uns auf die selbe Weise zurueck. An der naechsten Ecke schreist du !Equina!, was so viel heisst, wie „Ecke“ und schon haelt der Taxifahrer mit Vollbremsung an und laesst uns aussteigen. Willkommen im Zentrum und glueckwunsch zu deiner ersten ueberstandenen Taxifahrt!

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